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Kalenderblatt August 2014

Im Kalenderblatt erinnern wir monatlich an Personen und Ereignisse, die (nicht nur) für unsere Partei von Bedeutung waren

31. August 1864 - vor 150 Jahren:

Ferdinand Lassalle stirbt an den Folgen eines Duells

Wir gedenken in diesem Monat Ferdinand Lassalle, der vor 150 Jahren, am 31. August 1864, in Carouge (Schweiz) seinen Verletzungen, die er sich bei einem Duell zugezogen hatte, erlegen ist. Der Mitbegründer und erste Präsident des „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“ (ADAV) gilt als Gründungsvater der organisierten deutschen Sozialdemokratie, und das Gründungsdatum des ADAV, der 23. Mai 1863, wird von der SPD als ihr „Geburtsdatum“ betrachtet. Die Tradition unserer Partei knüpft daher auch immer erneut bei Lassalle und dem ADAV an.

Nach Beteiligung an der Revolution von 1848/1849 und einer sechsmonatigen Haft wandte sich Ferdinand Lassalle der Arbeiterbewegung zu und brach mit der Politik der Liberalen Fortschrittspartei. In Lassalles Augen hatten die Liberalen die Ideale der 1848er Revolution verraten, denn sie hatten mit den Konservativen einen Pakt gegen die ursprünglich geforderte Demokratisierung und gegen die Vereinigung der deutschen Länder zu einem Nationalstaat geschlossen.

Im Gegensatz zu Karl Marx, mit dem ihn lange Jahre eine enge Freundschaft verband, betrachtete Lassalle den Staat nicht als Instrument der Unterdrückung der Arbeiterschaft durch die Regierenden, sondern als Mittel, die Befreiung der Arbeiter von Not, Armut und Einflusslosigkeit zu erreichen.

Lassalles wichtigste Forderung war daher die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts. Da die Arbeiter, Landarbeiter und Dienstboten die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung stellten (sie waren jedoch nicht wahlberechtigt), wären den Regierenden durch das demokratisierte Wahlrecht selbstbewusste Parlamente entgegengestellt worden, die dann schrittweise und beinahe automatisch den gesamten Staat demokratisieren sollten. Lassalle war kein Verfechter einer Republik, sondern konnte sich eine Volksmonarchie als Staatsform durchaus vorstellen.

Ein auf diese Weise demokratisierter Staat hätte als eine der wichtigsten Aufgaben die finanzielle Unterstützung des Aufbaus von Produktionsgenossenschaften gehabt. In diesen sollten die Arbeiter den vollen Ertrag ihrer Arbeit erhalten und nicht wenige Fabrikbesitzer, die den Arbeitern stets nur einen Lohn zahlten, der zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel war.

Ferdinand Lassalle selbst stammte aus einer bürgerlichen Familie und war von seiner Erscheinung, seinem Lebensstil und seiner Bildung her eigentlich alles andere als ein Arbeiterführer. Durch sein rhetorisches Talent und seine Fähigkeit, den Arbeitern mit einfachen Worten ohne komplizierte wissenschaftliche Ausführungen ihre Lage zu verdeutlichen und Lösungen zu formulieren, machten ihn zum unumstrittenen Kopf der sich neu formierenden Arbeiterbewegung in Deutschland.

„Ihr seid merkwürdige Leute! Vor französischen und englischen Arbeitern, da müsste man plädieren, wie man ihrer traurigen Lage abhelfen könne. Euch aber muss man vorher noch beweisen, dass ihr in einer traurigen Lage seid! So lange ihr ein Stück schlechte Wurst habt und ein Glas Bier trinkt, merkt ihr gar nicht, dass euch etwas fehlt!“

Als 1862 in Leipzig der erste allgemeine deutsche Arbeiterkongress als Initiative  zu einer Parteigründung vorbereitet wurde, formulierte Lassalle das bekannte „Offene Antwortschreiben“, das die gesamte Programmatik und die Strategien zur Umsetzung enthielt und eine scharfe Abgrenzung zum organisierten deutschen  Liberalismus darstellte. Am 23. Mai 1863 wurde schließlich der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) in Leipzig gegründet und Ferdinand Lassalle zum Präsidenten mit beinahe diktatorischen Vollmachten gewählt. Die Arbeiterbewegung hatte sich ihre erste parteipolitische Basis geschaffen, wobei der ADAV den reformistischen Ansatz vertrat und sich nicht als revolutionäre Arbeiterpartei marxistischer Prägung verstand. Eine solche Partei entstand erst 1869: die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands (SDAP) unter der Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht. ADAV und SDAP vereinigten sich schließlich 1875 zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP), die sich seit 1890, nach Aufhebung der Sozialistengesetze, Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) nennt.

Lassalle selbst jedoch konnte nur knapp anderthalb Jahre die Politik des ADAV bestimmen, er starb am 31. August 1864 im Alter von 39 Jahren.

Okke Wismann (Kontakt)



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