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Helmut Jacobs
Im Kalenderblatt erinnern wir monatlich an Personen und Ereignisse, die (nicht nur) für unsere Partei von Bedeutung waren
25. September 1925 - vor 85 Jahren:
Hans Matthöfer wird in Bochum geboren
Im September-Kalenderblatt erinnern wir an Hans Matthöfer, den ehemaligen Finanzminister der sozialliberalen Koalition unter Helmut Schmidt und (lautlosen) sozialdemokratischen Krisenmanager.

Hans Matthöfer nahm als Soldat am 2. Weltkrieg teil und studierte nach 1945 Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt und in den USA. Nach Abschluss des Studiums arbeitete er beim Bundesvorstand der IG Metall unter Otto Brenner und trat in die SPD ein. Von 1957 bis 1961 war er für die Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC), dem Vorläufer der heutigen OECD, in Washington und Paris tätig. Vor seiner politischen Karriere leitete er schließlich die Abteilung Bildung beim Bundesvorstand der IG Metall.
Hans Matthöfer wurde 1961 in den Deutschen Bundestag gewählt und wurde nach dem Wahlsieg der SPD 1972 zum Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit ernannt. 1974 berief der neue Bundeskanzler Helmut Schmidt Matthöfer als Bundesminister für Forschung und Technologie, 1978 übernahm er das Finanzministerium und 1982 zuletzt das Ministerium für Post- und Fernmeldewesen.
Hans Matthöfer und Helmut Schmidt verband eine enge politische Freundschaft. Als 1968 die Notstandsgesetze in der damaligen Großen Koalition unter Bundeskanzler Kiesinger beraten wurden, war Matthöfer einer der SPD-internen Gegner dieser Gesetze und damit Gegenspieler des Fraktionsvorsitzenden Schmidt, der an der Gesetzgebung mitgewirkt hatte. Trotz der Niederlage der Gegner der Notstandsgesetzgebung in der Bundestagsfraktion verband Matthöfer und Schmidt seither ein großer gegenseitiger Respekt. So bat Matthöfer seinen Fraktionsvorsitzenden, bei der Schlussabstimmung im Bundestag über die Notstandsgesetze auch die Positionen der Gesetzesgegner darzulegen, was Schmidt auch tat.
Sigmar Gabriel erinnerte im letzten Jahr daran, dass in der Geschichte die SPD immer dann in die Regierung berufen worden sei, wenn die Zeiten schwierig gewesen seien und verwies auf das Krisenmanagement Peer Steinbrücks in den Jahren 2008 und 2009 in der globalen Finanzkrise. Hans Matthöfer stand bei der zweiten Ölkrise 1979/1980 vor einer vergleichbaren schwierigen Aufgabe, nämlich die Staatsfinanzen angesichts der Ölpreisexplosion und der damit verbundenen wirtschaftlichen Probleme in Ordnung zu halten, was ihm - im internationalen Vergleich - auch gelang.
Auch als SPD-Schatzmeister war Hans Matthöfer nach seinem Ausscheiden aus seinen Regierungsämtern 1982 als Krisenmanager tätig, als es darum ging, die Parteifinanzen zu ordnen und zu versuchen, den angeschlagenen "Vorwärts" zu sanieren.
Am 14. November 2009 starb Hans Matthöfer in Berlin. Mit ihm verlor unsere Partei einen sehr vielseitigen Politiker, der - anders als die meisten Politiker heute - seine Arbeit für das Gemeinwohl ziemlich lautlos und ohne Aufhebens erledigte und neben Alex Möller, Karl Schiller, Helmut Schmidt und Hans Apel zu den kompetenten Wirtschafts- und Finanzpolitikern der SPD in der sozialliberalen Koalition von 1969 bis 1982 gehörte.
Okke Wismann (Kontakt)
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