Ausstellung über die Geschichte der SPD

Veröffentlicht am 22.09.2013, 12:48 Uhr     Druckversion

Die SPD-Ortsvereine Wilster und Nortorf hatten gemeinsam im Rahmen des 150. Geburtstages der SPD eine Ausstellung im „Hotel Busch“ organisiert. An rund 20 Stellwänden wurde in Schrift- und Bildform die lange SPD-Geschichte dokumentiert. Die Wanderausstellung ist von der Parteizentrale in Berlin zusammengestellt und erarbeitet worden. Die beiden Ortsvereine müssen lediglich die Transportkosten von Berlin nach Wilster tragen. Holger Stamm und andere hatten die Ausstellung aufgebaut.

Die 2. Ortsvorsitzende des Wilsteraner Ortsvereins Kirsten Hillebrecht-Kahl begrüßte am letzten Freitag zur Eröffnung zahlreiche Mitglieder und Freunde der SPD voran die Bundestagskandidatin Dr. Karin Thissen, die Landtagsabgeordnete Birgit Herdejürgen aus Itzehoe und den Nortorfer Ortsvorsitzenden Jan Behrens. Ihre Eröffnungsrede begann Karin Thissen mit den Worten:“ Wer die Vergangenheit nicht kennt, versteht die Gegenwart nicht und kann die Zukunft nicht gestalten.“ Die Sozialdemokraten hätten es in den vergangenen 150 Jahren nicht immer leicht gehabt. Sie seien zeitweise als „vaterlandslose Gesellen“ und „Volksverräter“ verspottet, eingesperrt oder auch umgebracht worden. Weil sie sich aber nicht beirren ließen, sei Deutschland heute ein demokratisches, rechtsstaatliches und weltoffenes Land geworden. Es sei hier lebenswert, aber man müsse noch vieles verbessern. In den letzten Jahren sei eine Schieflage eingetreten und die Schere zwischen arm und reich werde immer größer. Die SPD werde sich – wie seit 150 Jahren –  dafür einsetzen, die Lebensbedingungen der meisten Menschen zu verbessern.

Helmut Jacobs hielt einen Vortrag über die Geschichte der SPD in Wilster und Nortorf.  Das Gründungsdatum des Wilsteraner Ortsvereins sei nicht bekannt, weil am 8. Mai 1933 zwei SPD-Schränke und ein Aushangkasten aus dem SPD-Parteilokal von den Nazis beschlagnahmt worden und nie wieder aufgetaucht seien. Man sei aber stolz auf eine über 100 Jahre alte Ortsvereinsfahne, die vom Hausmeister der Mittelschule Hermann Führer während der Nazizeit auf einem Dachboden versteckt worden sei. Jacobs habe recherchiert, dass es  viele Anhaltspunkte dafür gebe, die Gründung auf das Jahr 1895 zu datieren. In Chroniken benachbarter Ortsvereine gebe es Hinweise, dass es bereits vor 1897 in Wilster Sozialdemokraten gegeben haben müsse. Als 1899 in Wilster der im gesamten Deutschen Reich berühmte große Streik der Lederarbeiter stattfand, sei häufig davon die Rede gewesen, dass es in Wilster drei SPD-Stadtverordnete gebe. Im Dezember 1902 habe auf der Gründungsversammlung eines sozialdemokratischen Wahlvereins für Wilster und Umgebung ein Redner dazu aufgerufen, dass Wilster wieder das werden müsse, was es früher einmal gewesen sei, nämlich eine Hochburg der Sozialdemokratie. Der letzte SPD-Vorsitzende vor 1933 sei Hans Prox gewesen. Er wurde von den Nazis eingesperrt und verstarb 1945 im Konzentrationslager.

Nach 1945 habe es in der SPD in Wilster viele Ehrungen langjähriger Mitglieder gegeben. 1980 sei der frühere Maurer Paul Endorf für eine 75-jährige Mitgliedschaft geehrt worden. Jacobs nannte Namen von Parteigenossen wie Karl Goldmann, Franz Jonigk, Wilhelm Glindmeyer, Helene Albers, Karl Bruhn, Heinrich Schacht, Theodor von Holdt, Heinrich Jacobs, Nikolaus Nottelmann und Willi Reckmann, die in den 70er Jahren für 50-jährige Mitgliedschaft in der SPD geehrt worden seien. Nach dem 2. Weltkrieg habe es ein neues Kapitel der SPD in Wilster gegeben. Der Sozialdemokrat Heinrich Büttner sei von den Engländern zunächst als kommissarischer Bürgermeister ernannt worden. Obwohl die SPD bei fast allen Kommunalwahlen die meisten Stimmen erzielt habe, stellten die bürgerlichen Parteien  den Bürgervorsteher.

1986 sei mit Lisa Martens erstmalig eine Sozialdemokratin Bürgervorsteherin geworden. Er selbst habe dieses Amt von 1990 bis 2003 bekleidet. In dieser Zeit habe die SPD  mit ihrer Mehrheit die Stadt sehr positiv verändert. Jacobs erinnerte an Sozialdemokraten wie Albert Tönsen, Hermann Horstmann, Gerhard Kendelbacher, Werner Wiekhorst, Wilhelm Schuldt, Albert Beckmann, Hubert v. Holdt, Helmut Wähling, Hanna Heutmann und Walter Jacobs, die die ersten 30 Jahre nach dem Kriege die Geschichte der SPD in Wilster geprägt hätten. Auch in der jüngeren SPD-Geschichte habe die Partei mit Otto Andresen, Hans und Helga Todt, Lisa Martens, Christa Pries, Gerhard Voss, Uwe Watzlaw, Richard Wiese, Peter Dunkel, Eike Starck, Reinhard Bunge, Uwe Martensen, Hauke Rehder, Bernd Schwutzke, Manfred Schmiade, Horst Langer, Traute Beimgraben, Hans-Peter Schober, Natascha Böhnisch,  Heinke Gordon, Karin Lewandowski, Carsten Schröder und Hans Dieter Hilgers viele aktive Mitstreiter gehabt.

Helmut Jacobs sprach auch über die Geschichte des Nortorfer Ortsvereins. Diesen Ortsverein, der eng mit der Vereinsstraße verbunden sei, gebe es  frühestens seit 1925.   Vor dieser Zeit seien viele Leute aus der Vereinsstraße im  Wilsteraner Ortsverein aktiv gewesen. Der Arbeiter Markus Mehrens aus der Vereinsstraße sei sogar viele Jahre Kassierer in Wilster gewesen.  Emil Zamaitat aus der Vereinsstraße war Reichsbannerführer für Wilster und Umgebung und der erste Vorsitzende des Nortorfer SPD-Ortsvereins. Er sei  wegen angeblich staatsfeindlicher Betätigung  im Juli 1933 ins Glückstädter Konzentrationslager gebracht worden, wurde aber bald wieder frei gelassen.

Bekannte Sozialdemokraten in Nortorf seien nach dem Kriege Martin Stahl, Nikolaus Puck, Heinz Timmermann, Bruno Möller, Wilhelm Hintz, Rudolf Tiedemann und Johannes Stahl gewesen. Abschließend erinnerte er daran, dass man 1963 im Colosseum das „100-jährige Jubiläum“ der SPD mit der Festrednerin Annemarie Renger gefeiert habe.

Jacobs wünschte der SPD eine lange und erfolgreiche Zukunft und der Ausstellung viele interessierte Besucher.




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